22. Juni 1926: Mulhouse - Metz (334 Kilometer, 2149 Höhenmeter)
Etappenbericht
Hello, bonjour und guten Tag zur 2. Etappe von Mulhouse nach Metz!
Eigentlich waren auf der 1. Etappe nur 40 der 126 gestarteten Fahrer innerhalb des Zeitlimits geblieben; der Rückstand durfte maximal 20% der Siegerzeit betragen. Dennoch durften alle 111 Fahrer, die Mulhouse regelkonform erreicht hatten, um 4 Uhr morgens an der Place de la République wieder an den Start gehen. Am Ruhetag war allerdings auch eine Disqualifikation vermeldet worden: Battista Recrosio wurde aus dem Rennen ausgeschlossen, weil er einen Teil der 1. Etappe nicht etwa im Rennsattel, sondern auf einem bequemen Autositz absolviert hatte!
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Nicht nur zu solchen Geschehnissen, aber auch zum Rennen im Allgemeinen meinte Tour-Direktor Henri Desgrange: „Um ehrlich zu sein, muss man investigative Fähigkeiten haben, um den Verlauf der Etappen nachvollziehen zu können. Ich kann mir vorstellen, dass es eines Tages ein kleines Flugzeug geben wird, das ein paar Meter über den Köpfen der Fahrer schwebt und von dem aus man ganz einfach von der Rennspitze ans Rennende und zurück gelangen kann und jederzeit alles im Blick hat.“
Die 2. Etappe war nach Aussagen der Journalisten lang, heiß, monoton und hart. In der unendlichen Ebene des Elsaß wurden die Fahrer in der Hitze gegrillt, das Peloton blieb weitgehend zusammen. In Strasbourg säumten zehntausende Menschen die großen Boulevards. Danach wieder: endlose Weiten zwischen den Dörfern. Die Fahrer stoppten an jedem Brunnen, um ihre Flaschen wieder aufzufüllen. Manche „Anfänger“, wie sie in L’Auto betitelt wurden, waren ohne Brille unterwegs – keine gute Idee in der Sonne und im Staub. Heulend habe man sie nach Wasser bettelnd am Straßenrand gesehen.
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Ein wenig belebt wurde das Rennen in den Nordvogesen dann doch noch. Gerade an der 10% steilen Rampe von Lembach hat Lucien Buysse, der Bruder des Mannes im Maillot Jaune und einer der großen Favoriten, einen Plattfuß. Er fand schnell wieder Anschluss und attackierte sogar am nächsten Anstieg! Nach und nach gab es immer mehr Tempoverschärfungen, wie bei einem Ausscheidungsfahren. Schließlich waren es noch 25 Fahrer, die an der Spitze liegend die Stadtgrenze von Metz erreichten. Jules Buysse als Gesamtführender hielt sich clever aus allen Gefahren heraus. Im Sprint siegte der 24-jährige Belgier Aimé Dossche vom Team Christophe-Hutchinson. In der Gesamtwertung gab es keine nennenswerten Veränderungen. Die Favoriten um Ottavio Bottecchia, Nicolas Frantz und Lucien Buysse hatten keine Zeit aufholen können.
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