Etappe 4: Dunkerque - Le Havre

26. Juni 1926: Dunkerque -Le Havre (361 Kilometer, 2316 Höhenmeter)

Etappenort: Dunkerque

Die flämische Stadt Dunkerque ist seit vier Jahrhunderten die wichtigste französische Hafenstadt an der Nordsee, ganz in der Nähe der belgischen Grenze gelegen. Im Jahr 1926 zählte die Stadt 32000 Einwohner. 

Die Menschen ahnten nichts davon, was ihnen knapp zwei Jahrzehnte später widerfahren sollte: Über 70% der Stadt wurden während des 2. Weltkriegs zerstört. 

Heute blüht die Stadt längst wieder auf mit ihrer Universität, ihrer starken Industrie und ihrem Hafen.

Bei der Tour de France gehörte Dunkerque zwischen 1911 und 1927 jährlich zum Etappenplan. Die Stadt hatte sich als Startort für die letzte Etappe, die nach Paris führte, etabliert. 1926 war dies aufgrund der veränderten Streckenführung anders. 

 

In der Zeit des modernen Radsports stechen drei Besuche der Tour de France heraus: 

  • 1995 holte Erik Zabel auf dem Weg von Dunkerque nach Charleroi den ersten seiner zwölf Tour-Etappensiege. 
  • 2001 durfte Dunkerque den Grand Départ in Form eines Prologs austragen, der Sieger hieß damals Christophe Moreau. 
  • 2025 stürzte Jasper Philipsen im Grünen Trikot aus dem Rennen, bevor Tim Merlier die Etappe in Dunkerque gewann.

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Strecke: Dunkerque - Le Havre

Die 4. Etappe führte über 361 km von Dunkerque entlang des Ärmelkanals nach Le Havre.

 

In Dunkerque wurde die Einschreibekontrolle im Café des Arcades an der zentrale Place Jean Bart eingerichtet. Der Startschuss wurde am Quai Saint-Omer am Beginn des Hafenbeckens gegeben.

Die ersten 50 km führten topfeben nach Calais, danach ging es auf leicht hügeligem Terrain immer an der Küste entlang. Vom Nord-Pas-de-Calais aus durchquerte man die Picardie auf dem Weg in die Normandie.

Für den Abschnitt zwischen Dieppe und Etretat gaben die Organisatoren noch einen besonderen Hinweis heraus:

Auf ca. 100 km waren die Straßen sehr eng, oft nicht breiter als ein Auto. Zudem hätte man es mit 1000 kleinen Kurven zu tun, die oft nicht gut einsehbar waren aufgrund von Hecken, Mäuerchen und Häusern. Die Fahrer sollten sich vorsichtshalber auf der rechten Straßenseite halten, falls es zu Gegenverkehr kommen sollte.

Oberhalb der berühmten Felsklippen von Etretat ging es auf die letzten Kilometer bis nach Le Havre, wo auf dem Boulevard François 1er der Zielbogen aufgebaut war.

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Hier findet Ihr die Strecke bei Komoot und Google Maps zum Nachfahren oder näher anschauen:

Etappenbericht

Hello, bonjour und guten Tag zur 4. Etappe von Dunkerque nach Le Havre!

 

Nach dem Start um 2 Uhr nachts auf der noch recht kühlen Place Jean Bart ging es für die Fahrer zunächst entlang der Kanäle Richtung Westen. Noch niemand startete hier eine Offensive, sodass das Fahrerfeld nach 40 km geschlossen Calais erreichte. Auch damals schon bemalten Fans die Straße. In großen Lettern war dort zu lesen: „Honneur au Tour de France“ – „Ehre der Tour de France!

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Bereits am Morgen plagte Georges Detreille vom Team Météore-Wolber der Durst, sodass er am Auto der Tour-Direktion nachfragte, ob er nicht ein kühles Bier haben könne. Oder ob die Rennleitung nicht wenigstens an jeder Bar das Rennen für drei Minuten neutralisieren könne.

 

Nach Abbeville mit seiner prächtigen Kathedrale ging es dann in hügeligeres Terrain. Hinter Le Tréport und Dieppe zog sich das Feld jeweils stark in die Länge. Mehrmals wurde Adelin Benoît leicht abgehängt, der Vierte des Gesamtklassements. Ottavio Bottecchia hatte mit Defekten zu kämpfen. Und auch das Maillot Jaune Gustave Van Slembroeck hatte einen Platten, wurde aber von seinem Teamkollegen Albert Dejonghe wieder nach vorne gebracht.

Nach Fécamp entwickelte sich ein hartes Rennen, bei dem sich niemand entscheidend absetzen konnte. Nachdem man Etretat passiert hatte, schienen sich alle Fahrer damit zufrieden zu geben, dass es in Le Havre zum Sprint kommen würde. Noch dazu hatte eine Bahnschranke das Fahrerfeld ausgebremst!

 

In Le Havre hatten sich auf dem Boulevard François Ier viele Zuschauer versammelt. Fabrikarbeiter hatten ihre Schicht am Morgen früher begonnen, damit sie pünktlich am Streckenrand stehen konnten. Im Sprint siegte der Routinier Félix Sellier, ehemaliger Sieger von Paris-Roubaix und 1922 Drittplatzierter der Tour de France. Der Luxemburger Nicolas Frantz verpasste nur knapp den Sieg.

Im Gesamtklassement gab es keine Veränderungen. Dies gefiel Tour-Direktor Henri Desgrange überhaupt nicht: Die Zuschauer an der Strecke und die Zeitungsleser erwarteten etwas Anderes als das, was die Champions gezeigt hätten. Desgrange äußerte Unverständnis, dass das Team J.B.-Louvet das Gelbe Trikot nicht konsolidieren wollte, dass Vorjahressieger Bottecchia seinen Rückstand nicht verringern wollte oder dass Benoît das Gelbe Trikot nicht attackieren wollte.

 

So fragte man sich für die nächste relativ flache Etappe, ob die Fahrer einen weiteren Erholungstag einlegen würden – interessante Sichtweise bei Etappen von 360 km auf Schotterpisten – oder ob es zwischen Le Havre und Cherbourg richtig zur Sache gehen würde.

Etappenergebnis

1. Félix Sellier (BEL, Alcyon-Dunlop) 14h57‘1“

2. Nicolas Frantz (LUX, Alcyon-Dunlop) +0“

3. Camille Van de Casteele (BEL, J.-B. Louvet-Wolber) +0“

4. Joseph Van Dam (BEL, Automoto-Hutchinson)  +0“

5. Alfonso Piccin (ITA, Christophe-Hutchinson) +0“

6. Ottavio Bottecchia (ITA, Automoto-Hutchinson) +0“

7. Lucien Buysse (BEL, Automoto-Hutchinson) +0“

8. Jules Buysse (BEL, Automoto-Hutchinson) +0“

9. Omer Huysse (BEL, Automoto-Hutchinson) +0“

10. Joseph Pé (BEL, Jean Louvet-Hutchinson) +0“

Gesamtklassement

1. Gustave Van Slembroeck (BEL, J.-B. Louvet-Wolber) 60h2‘41“

2. Albert Dejonghe (BEL, J.-B. Louvet-Wolber) +1‘9“

3. Jules Buysse (BEL, Automoto-Hutchinson) +6‘17“

4. Adelin Benoît (BEL, Aloyon-Dunlop) +10‘45“

5. Georges Cuvelier (FRA, Météore-Wolber) +10‘45“

6. Odiel Taillieu (BEL, J.-B. Louvet-Wolber) +10‘45“

7. Camille Van de Casteele (BEL, J.-B. Louvet-Wolber) +12‘22“

8. Lucien Buysse (BEL, Automoto-Hutchinson) +22‘51“

9. Léon Parmentier (BEL, Jean Louvet-Hutchinson) +23‘26“

10. Secondo Martinetto (ITA, Météore-Wolber) +27‘49“

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