Fahrerporträt: Kisso Kawamuro

Kisso Kawamuro war der erste japanische Rennfahrer, der je an der Tour de France teilgenommen hatte. 

 

1892 in Yokohama geboren, kam er 1918 nach Frankreich und arbeitete in der Flugzeug- und Autoindustrie. Da er schon in Japan an Radrennen teilgenommen hatte, tat er dies auch in Frankreich und in Deutschland. 

 

1926 trat er erstmals bei der Tour de France an als touriste-routier. Auf der 1. Etappe stürzte er auf der Abfahrt vom Col de la Faucille und musste daraufhin nach eigener Aussage „mit einem Bein weiterfahren“. Tatsächlich hatte er sich das ganze linke Bein von der Hüfte bis zum Knöchel aufgeschürft. In Montbéliard erkannte er die Aussichtlosigkeit des Unterfangens und gab das Rennen auf.

 

Im Jahr darauf trat er noch ein zweites und letztes Mal zur Tour de France an. Erneut musste er bereits auf der 1. Etappe die Segel streichen.

 

Erst 24 Jahre nach Kawamuros Tod stand mit Daisuke Imanaka im Jahr 1996 wieder ein Japaner am Start der Tour de France. 

Die ersten beiden Japaner, die das Rennen bis Paris zu Ende fuhren, waren 2009 Yukiya Arashiro und Fumiyuki Beppu.

 

 

Am 9. April erschien der Bericht von einem Interview zweier Journalisten mit einem ganz besonderen Radrennfahrer. Sinngemäß wurde dort berichtet: 

 

„Wir suchten ein Restaurant auf, in dem ein gewisser Kisso Kawamuro seit vier Jahren arbeitet – ein Mann aus Japan, der für 1926 angekündigt hat, an vielen professionellen Rennen teilzunehmen, unter anderem der Tour de France. 

 

Als wir das Restaurant betreten, setzt Kawamuro höflich sein Barett ab, das er von seinem Chef für die Arbeit bekommen hat. Als wir ihm unser Anliegen mitteilen, fängt er an zu strahlen. Er spricht eine Mischung aus Französisch, Englisch, Italienisch, Chinesisch und Japanisch, sodass man ihn kaum verstehen kann. Er sei in Tokio geboren und 30 Jahre alt. Schon in seinem Heimatland habe er sich ins Radfahren verliebt. Es gebe in Tokio zwei Radrennbahnen, die ebenso gut besucht seien wie das Vél d’Hiv in Paris. Straßenrennen gebe es in Japan keine, da die Straßen zu schlecht seien.

 

Nach einigen Amateurrennen in Frankreich hat Kawamuro eine Lizenz beantragen wollen, was aber aufgrund seiner Nationalität nicht möglich war. Das Hauptproblem war dabei, dass Japan keinen Radsportverband hatte. Es war also die UCI um Hilfe gebeten worden, wo man zunächst auch ratlos war, denn einen solchen Fall hatte es noch nie gegeben. Die Lösung war pragmatisch: die Einführung einer internationalen Lizenz. Kisso Kawamuro bekam die Lizenznummer 00001.

 

Kawamuro erzählt weiter, dass er täglich trainiere, auch regelmäßig Distanzen von 150 km, was ihm genauso leichtfalle wie Gläser und Teller zu waschen.

Schließlich ertönt eine Stimme aus dem Untergeschoss, wo sich die Küche befindet: Kawamuro muss zur Arbeit zurück. Er setzt sein Barett wieder auf und verabschiedet uns höflich.“