Paris - Roubaix 1926
Die 27. Austragung von Paris-Roubaix führte vom Pariser Vorort Suresnes durch die „Hölle des Nordens“ bis nach Roubaix. Ein „veritables Vorkriegsrennen“, wie es in L’Auto bezeichnet wurde.
184 Fahrer waren gemeldet, darunter alle großen Namen: Nicolas Frantz, Lucien Buysse, Ottavio Bottecchia, Henri und Francis Pélissier, Henri Suter… In Roubaix existierte übrigens zwischen 1924 und 1936 kein Velodrom! Die bis heute traditionelle Zielankunft musste daher auf die Avenue des Villas verlegt werden.
Interessant auch der Hinweis der Organisatoren einige Tage vor dem Rennen: Die Wechselklamotten der Fahrer müssten bitte spätestens am Freitagvormittag per Post an Herrn Jean Desruelles (Adresse: Rue du Grand-Chemin 8 in Roubaix) geschickt werden. Man solle auf dem Paket auch unbedingt vermerken: „Course Paris-Roubaix“.
Der Rennverlauf war spannend und spektakulär. Früh im Rennen gab es eine sechsköpfige Spitzengruppe, darunter alle drei Pélissier-Brüder! Francis, Charles und Henri, der Tour-de-France-Sieger von 1923. Kurz vor Amiens schloss ein Peloton von 40 Fahrern zur Spitze auf. Henri Pélissier schien an diesem Tag unschlagbar. Schließlich konnte er auf den Pavés zusammen mit Julien Delbecque und Gustave Van Slembroeck endgültig alle anderen Fahrer abhängen.
Aber die Defekthexe griff auch damals schon rennentscheidend ein und bremste Pélissier 20 km vor dem Ziel aus. So kam es in Roubaix zum Duell zweier Belgier, bei dem sich Delbecque mit drei Radlängen Vorsprung gegen Van Slembroeck durchsetzte. Umso bemerkenswerter, da Delbecque früh im Rennen heftig gestürzt war und unterwegs noch einen Reifenschaden hatte. Henri Pélissier wurde immerhin noch Sechster, Vorjahressieger Félix Sellier landete dahinter auf dem siebten Rang. Der Liebling der Franzosen, Eugène Christophe, erreichte im Alter von 41 Jahren bei seiner letzten Teilnahme noch einmal einen bravourösen 44. Platz. Nicolas Frantz und Ottavio Bottecchia kamen nicht ins Ziel.
Am Folgetag erschienen in der Zeitung Werbeanzeigen der Radhersteller, um die Helden des Rennens zu feiern. Auch wurden Bowdenzugbremsen beworben. Und passend zu Paris-Roubaix: eine Werbung für Flickzeug!
Quelle: L’Auto, 6 avril 1926, Bibliothèque nationale de France (Gallica).
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