Etappe 5: Le Havre - Cherbourg
19.07.2027 | 357 Kilometer | 2163 Höhenmeter
Die Reise durch die Normandie auf der 5. Etappe war verbunden mit allerhand Erinnerungen - es gab nach 33 Jahren ein Wiedersehen mit einem ganz besonderen Ort.
Der Ruhetag in der UNESO-Weltkulturerbe-Stadt Le Havre hatte uns eine kleine Überraschung beschert, als wir Besuch von Marlène, einer Freundin aus Studienzeiten, bekamen, die sich gerade zufällig in der Region für einen Familienbesuch aufhielt.
Zur Etappe fanden wir uns in der Morgendämmerung in der Nähe des riesigen Industriehafens ein, um uns auf den 357 Kilometer langen Weg nach Cherbourg zu begeben. Die Distanz hätte eigentlich viel kürzer sein können. Doch 1926 gab es zwischen Le Havre und Rouen noch keine Brücke über die Seine. Originalgetreu radelten wir somit zunächst über Lillebonne, der Geburtsstadt von Annie Ernaux, ins Landesinnere bis Rouen, überquerten nach 80 Kilometern die Seine und fuhren auf der anderen Seite flussabwärts wieder zurück bis zur Mündung. Nach über sechs Stunden erreichten wir das pittoreske alte Fischerdorf Honfleur, das sich Luftlinie etwa fünf Kilometer von unserem Startpunkt entfernt befindet.
Weiter ging es durch Küstendörfer, die seit dem 19. Jahrhundert im Sommer vom reichen Pariser Bürgertum besetzt gehalten werden. Villen, teure Hotels und Casinos reihen sich zwischen Trouville und Cabourg aneinander.
Caen ist die Partnerstadt von Würzburg, auch die Universitäten arbeiten eng miteinander zusammen. Christoph war hier vor Jahren in seiner Studentenzeit mehrmals zu Gast, was natürlich schöne Erinnerungen weckte. Auch entstand hier vor einem Jahr beim Einzelzeitfahren der Tour de France ein Foto mit Tour-Teufel Didi Senft und seinem Nachfolger in spe Rick Zabel.
In Bayeux gab es für uns keinen Teppich zu besichtigen - der wurde nämlich gerade nach London gebracht, um dort untersucht und ein Jahr lang ausgestellt zu werden. Also direkt weiter durch das historische Freilichtmuseum der Normandie: Zahlreiche Museen, Gedenksteine, Friedhöfe erinnern an den 6. Juni 1944, dem sog. D-Day. Ein besonderer Gedenkort findet sich in Sainte-Mère-Eglise, wo seit Jahrzehnten die Attrappe eines Fallschirmspringers am Kirchturm hängt. Es ist historisch verbürgt, dass dort zwei US-amerikanische Soldaten, 21 und 17 Jahre alt, mit ihren Fallschirmen am Kirchturm hängen blieben und sich erst nach Stunden retten konnten. Zum letzten Mal stand Christoph dort im Sommer 1993, als Familie Hench ihren ersten Camping-Urlaub in Vierville-sur-mer verbrachte.
Auf wunderschönen Bauernsträßchen bekamen wir es mit unerwartet vielen Hügeln zu tun. Wie überall sind die Dörfer auch hier malerisch in die Landschaft eingebettetc, sodass es bis heute so wirkt, als würden die Menschen im Einklang mit der sie umgebenden Landschaft leben.
Das Ziel erreichten wir westlich von Cherbourg am Velodrom von Equeurdreville. Und tatsächlich: Das Velodrom exisitiert noch! Genutzt wird die Betonpiste wohl kaum noch, da die Bahn doch recht rumpelig war. Innerhalb der Piste befindet sich ein Fußballplatz. Das heutige Stade Jean Jaurès war aber erstaunlicherweise so spät am Sonntagabend geöffnet - fast so, als hätte man uns erwartet! Henri Desgrange schickte uns also auf zwei Schlussrunden im Velodrom, die frenetischen Möwen auf den Rängen jubelten uns zu. Was für ein Ende für eine denkwürdige Etappe des ReRide1926!
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