Etappe 4: Dunkerque - Le Havre
17.07.2027 | 361 Kilometer | 2316 Höhenmeter
Entlang des Ärmelkanals gibt es nicht nur Strand so weit das Auge reicht, sondern auch wunderschöne Dörfer und einen sanften Wind im Rücken…wenn man in die richtige Richtung fährt!
Gemütlich ging es los entlang der Kanäle in Richtung Calais. Touristische Überraschungen gibt es ständig, so schon kurz nach dem Start in der Festungsstadt Gravelines - ein äußerst beeindruckendes Mauerwerk, mitten ins Sumpfgebiet hineingepflanzt. Eine moderne Art von Festung konnten wir bei Calais betrachten: Meterhohe Zäune, Stacheldraht und Kameras umgeben die Straßen und Gleise rund um die Terminals, die den Weg nach England öffnen oder verschlossen halten. Der Weg ist geografisch gesehen nicht weit, wie uns ein Blick über das Wasser auf die Kreidefelsen von Dover bestätigte, die in der Morgensonne weiß erstrahlten.
In Boulogne-sur-Mer wehte ein Hauch der Tour de France durch die Straßen, da hier im vergangenen Jahr die zweite Etappe mit dem Sieg von Mathieu van der Poel zu Ende gegangen war. Ein wenig von der Küste entfernt radelten wir weiter nach Etaples, wo an der Promenade ein kleines Café geradezu auf uns gewartet hatte. Auf langen Geraden führte uns die Strecke bis Abbeville. In der Zeitung „L’Auto“ hatten wir ein 100 Jahre altes Foto von der Kathedrale Saint-Wulfran entdeckt. Tatsächlich war es beeindruckend, an der riesigen, kunstvoll verzierten Fassade hinaufzublicken.
Kurze Zeit später erreichten wir in Le Tréport wieder die Küste und damit auch schon die Normandie. Vor allem ab Dieppe wurde die Route spektakulär. Ein Dorf war schöner als das andere, der Blick auf das Meer und die Felsklippen war herrlich. Noch dazu hatten wir den Wind im Rücken, sodass wir zügig vorankamen und das Dekor umso mehr genießen konnten. Im Jahr 1926 hatte der Redakteur in der Zeitung die Rennfahrer vor den Straßen gewarnt, die eng und unübersichtlich seien. In den vielen Dörfern gäbe es Hecken und Häuserecken, die die Sicht darauf versperrten, was hinter der Kurve passiert. Daher sollte man sich lieber auf der rechten Fahrbahnseite halten. Wir tun dies sowieso und meisterten damit alle Herausforderungen, die eine Tourismusregion im Juli mit sich bringt. Die Straßenbeschaffenheit, wie sie 1926 beschrieben worden war, können wir nur bestätigen. Ein wenig fühlte es sich an wie eine Achterbahnfahrt entlang der Küste. Von Bucht zu Bucht ging es auf und ab, um Kirchen und Höfe herum und immer wieder mit grandiosem Blick auf die Klippen. Höhepunkt waren die weltberühmten Felsformationen von Etretat, wo wir es uns nicht nehmen ließen, kurz ein Foto zu schießen. Auch in Fécamp hatten wir uns vorgenommen, ein Foto am Hafen zu machen: Dort war 1926 an einer Straßenecke vor einer Bar eine Verpflegungskontrolle aufgebaut, was von Fotografien belegt wird. Einiges hat sich verändert, was sich an unserem nachgestellten Foto gut erkennen lässt - u.a. ist die Bar heute ein Blumenladen. Der Hafen und das Cap Fagnet im Hintergrund sind noch dieselben.
Die letzten Kilometer führten uns auf flachem Terrain nach Le Havre, wo wir in Hafennähe nach 361 Kilometern das Ziel der 4. Etappe erreichten. Da uns der Wind gewogen war, schafften wir es zum ersten Mal, schneller als der Etappensieger von 1926 zu sein. Zur Belohnung gab es Pizza.
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