Etappe 11: Bagnères-de-Luchon - Perpignan
29.07.2027 | 323 Kilometer | 4305 Höhenmeter
Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 26 km/h über sechs Pyrenäenpässe zu fahren, ist mit modernen Rennrädern möglich. Und zwar anscheinend mit jenen des Jahres 1926. Wir ziehen unseren Hut vor dieser unfassbaren Leistung zwei Tage nach dem Höllenritt von Bayonne nach Luchon. Lucien Buysse siegte auch in Perpignan - nach 323 Kilometern und einer Fahrzeit von 12 Stunden, 31 Minuten und 16 Sekunden. Damit war er fast zwei Stunden schneller als wir.
Am Morgen gegen 4.30 Uhr gingen wir auf der Prachtallee von Bagnères-de-Luchon ins Rennen. Die ersten Kilometer führten talabwärts und halfen dabei, dass Timm seine muskulären Probleme im Oberschenkel in den Griff bekam. Den Col des Ares überquerten wir im Dunkeln. Kurz darauf erfreuten wir uns der Morgendämmerung, sodass wir am Fuße des Col de Portet-d’Aspet am Denkmal für Fabio Casartelli ein Foto machen konnten. Der Olympiasieger von 1992 war hier während der Tour de France 1995 auf der Abfahrt in einer tückischen Kurve tödlich verunglückt. Der Anstieg selbst zum Portet-d’Aspet ist mit 4,5 km recht kurz, mit über 10 % Steigung im Durchschnitt aber dennoch sehr anspruchsvoll. In der Folge gelangten wir in wunderschöne, ziemlich einsame Täler, teils mit engen Schluchten, zunächst auf dem Weg nach Saint-Girons, danach über den Col de Port nach Tarascon-sur-Ariège.
Mit der Ruhe war es dann vorbei. Im Tal nach Ax-les-Thermes gibt es keinen anderen Weg als die Nationalstraße. Der 27 Kilometer lange Anstieg hinauf zum Col de Puymorens an der Grenze zu Andorra führt gleichfalls über eine riesige Straße ohne Schatten. Viele Autofahrer suchen den Weg ins Fürstentum, um billig tanken und einkaufen zu gehen. Nichtsdestotrotz konnten wir in fast 2000 Metern Höhe den Blick auf das Hochgebirge genießen. Nach der Abfahrt hinab zur spanischen Grenze erklommen wir mühselig bei heftigem Gegenwind die letzten beiden kleinen Pässe und wurden belohnt mit herrlichen Aussichtspunkten, Schluchten und Dörfern im Conflent, einer katalanischen Region, die seit 1659 zu Frankreich gehört. Spektakulär anzusehen war insbesondere die Schmalspurbahn der Ligne de Cerdagne, die sich über Hängebrücken, durch Tunnels und an Felswänden durch das Tal des Têt schlängelt.
In Villefranche-de-Conflent gelang es uns, noch ein weiteres historisches Foto am Stadttor nachzustellen. Dort gibt es einen Schnappschuss von Nicolas Frantz auf der Jagd nach dem Führenden Lucien Buysse. Dank des starken Tourismus im Dorf ist die Szenerie bis heute gut erhalten.
Kurz vor Perpignan befuhren wir ein Gebiet, das in Teilen so aussah, als wäre die Apokalypse bereits eingetreten. Über 5000 Hektar waren hier Anfang Juli durch Waldbrände verwüstet worden.
Heilfroh waren wir, als wir nach der Hitzeschlacht der zweiten Pyrenäenetappe gegen 20.30 Uhr das Ziel an der Promenade des Platanes erreichten.
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