Etappe 12: Perpignan - Toulon
31.07.2027 | 427 Kilometer | 2097 Höhenmeter
Im Land der singenden Zikaden sollte sich auf 427 Kilometern zeigen, ob in den letzten Monaten mehr gearbeitet hätte werden müssen oder ob der Trainingsvorrat ausreicht, um nun nicht tanzen zu müssen.
Die erste Herausforderung des Tages bestand darin, die Müdigkeit nach der beinahe schlaflosen Nacht in den überhitzten Zimmern von Perpignan abzuschütteln. Abenteuerlich war es, die Rennräder wieder die steilen Stiegen des uralten Treppenhauses hinabzubugsieren.
Im Dunkeln verließen wir auf vierspurigen Straßen die katalanische Stadt und begaben uns auf die ersten langen Geraden entlang der flachen Mittelmeerküste. Mit Narbonne und Béziers genossen wir früh auf der Etappe die ersten beiden kleinen touristischen Highlights. Die Wolken hingen bedrohlich niedrig und tatsächlich bekamen wir des Öfteren per Nieselregen eine kleine Erfrischung von oben. Schließlich war uns das lieber, als durch die gewöhnliche provenzalische Backofenhitze fahren zu müssen.
Problemlos durchquerten wir das Stadtzentrum von Montpellier. Auch dort ist in den letzten Jahren sehr viel für die Sicherheit der Radfahrer *innen getan worden. Herrlich war es wieder, auf der Place de la Comédie zu stehen. Mehr Zeit als für ein schnelles Foto blieb allerdings nicht. Ähnlich verhielt es sich vor der römischen Arena von Nîmes. In Arles legten wir einen etwas längeren Boxenstopp vor dem alten Amphitheater ein, das Flair war dort wie immer ein ganz besonderes. Eine Prüfung der besonderen Art erwartete uns zwischen Saint-Martin-de-Crau und Salon-de-Provence: Über 20 Kilometer geht es dort kerzengerade durch die alte Schotterwüste. Meditationskurse brauchen wir nicht.
Nach Salon veränderte sich die Strecke und die Straßen wurden so, wie man es von der Provence erwartet: Schmal, hügelig und kurvig zwischen Felsen und dem Gesang der Zikaden hindurch. In der Abfahrt hinab nach La Fare-les-Oliviers weihten wir die neue Henri-Tesi-Gedächtniskurve ein. Die Rote Laterne des Rennens von 1926 hatte sich für die 12. Etappe mit dem Ziel in seiner Heimatstadt Toulon viel vorgenommen. In den Hügeln nach Salon war er der Attacke des Maillot Jaune gefolgt und hatte sich kurz darauf bei einem Sturz den Ellbogen gebrochen. Tragödien, die der Radsport schreibt.
Wir kamen unbeschadet hinunter und gelangten zum beeindruckenden Aquädukt von Roquefavour und kurz darauf in die schöne Altstadt von Aix-en-Provence. Den Ruf, eine der teuersten Städte Frankreichs zu sein, sieht man ihr an. Auf dem Cours Mirabeau fand zufällig gerade eines jener kleinen Radrennen im Windschatten der Tour de France statt, bei dem die Rennfahrer - anders als bei der Tour de France selbst - fette Prämien kassieren können. Zwei 180°-Kurven, die Straße auf und ab, ein Showrennen mit Leinwand und lauter Musik.
Für uns ging es weiter über wunderschöne Straßen bis nach La Ciotat, von wo aus wir nun der Côte d’Azur bis ins Ziel nach Toulon folgten. Die letzte der vier Etappen, die über 400 Kilometer aufwiesen, war geschafft. Erleichtert waren wir, dass wir von Mistral und Gluthitze verschont geblieben waren. Statt Tanz genehmigten wir uns Pizza.
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