Etappe 13: Toulon - Nice
02.08.2027 | 280 Kilometer | 2825 Höhenmeter
Der Beginn der letzten Tour-Woche wartete mit einer Fahrt entlang der Côte d’Azur und einem kleinen Apéritif vor den beiden harten Alpenetappen auf - oder gehören die Seealpen doch schon eher zur Hauptspeise?
Nach einem heißen Tag in Toulon, an dem wir nach Abkühlung im Mittelmeer gesucht hatten, starteten wir um 5.30 Uhr zur 280 Kilometer langen Riviera-Etappe. Auf dem Weg nach Nizza verließen wir die Küste zunächst nur kurz, um über den Col de Gratteloup die Bucht von Saint-Tropez zu erreichen. Beeindruckend waren die vielen Jogger*innen und Radfahrer*innen, die den Sonntagmorgen zur Bewegung nutzten.
Spätestens ab Cannes verlagerte sich der Schwerpunkt für viele allerdings eher weg vom Sport, sondern hin zum Strand, Spazierengehen oder ins Auto. Im Sommer ist der fast vollständig zugebaute Küstenstreifen doch arg stressig. Mit dem Rennrad bewegt man sich ständig im Slalom zwischen Tourist*innen und Autos, die meist langsamer unterwegs sind oder gänzlich im Stau stehen. Viele hilfreiche Radwege sind aber auch hier mittlerweile gebaut worden.
So erreichten wir Nizza nach 180 Kilometern in schon leicht mitgenommenem Zustand ob der drückenden Hitze und der vielen Autos auf dem Weg. Wir freuten uns geradezu darauf, den Küstenstreifen zu verlassen und auf die „Boucle de Sospel“ abzubiegen, die 100 Kilometer lange Schlussrunde durch die Seealpen. Auf den Col de Nice folgte nach kurzer Abfahrt der Col de Braus. Spektakulär waren die vielen engen Spitzkehren und der Blick hinab in die Schlucht. Oben am Gipfel befindet sich das Grab von René und Gisèle Vietto. In den 1930er und 1940er Jahren war René Vietto einer der erfolgreichsten und beliebtesten französischen Radsportler, gleichzeitig auch ein tragischer Held, da er mehrmals aufopferungsvoll seinem Kapitän zur Hilfe eilte und dabei seine eigenen Chancen einbüßte. Dennoch gewann er acht Etappen bei der Tour de France sowie 1934 auch das Bergtrikot. Als Fahrer des Jahrgangs 1914 beraubte ihn auch noch der Krieg seiner besten Jahre.
Nach der Abfahrt ins malerische Sospel folgte der nächste Anstieg auf ruhigen Straßen zum Col de Castillon. Rasant ging es im Anschluss hinunter nach Menton, die Stadt an der Grenze zu Italien. Wenige Kilometer später fanden wir uns auf der Formel-1-Rennstrecke von Monaco wieder. Schnell verließen wir die Stadt wieder, da sie uns nicht gerade ansprach. Über steile Rampen erklommen wir auch den letzten Berg nach La Turbie und weiter zum Col d’Eze. Die Abfahrt mit herrlicher Aussicht auf die Küste konnten wir noch einmal genießen, bevor es wieder hineinging ins trubelige Nizza. Am Ziel war bereits geschmückt für die Tour de France - jene der Frauen, die an dieser Stelle am kommenden Sonntag zu Ende gehen wird.
Einigermaßen geschafft rollten wir zur Unterkunft. Die Etappe war härter als gedacht.
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