Etappe 2: Mulhouse - Metz
13.07.2027 | 334 Kilometer | 2149 Höhenmeter
334 Kilometer von Mulhouse nach Metz, die länger wurden als gedacht. Die 2. Etappe des ReRide1926 hielt einige Überraschungen bereit.
Ehrfürchtig standen wir in der Morgendämmerung vor dem Stade de Bourtzwiller am Stadtrand von Mulhouse. Vom prächtigen Velodrom war nichts mehr zu sehen, heute befindet sich hier ein etwas in die Jahre gekommener Fußballplatz des lokalen Vereins. Einige Veränderungen gab es in den letzten 100 Jahren auch bei der Beschaffenheit der Straßen. Die früheren Schotterpisten von Mulhouse über Colmar nach Strasbourg sind vierspurig ausgebaut. Die Giganten der Landstraße wurden verdrängt von Monstern der Autobahn. So blieb uns nichts anderes übrig, als auf teils verschlungenen, aber herrlichen kleinen Sträßchen und Radwegen die Weinberge des Elsass zu befahren und somit nach einigen Zusatzkilometern in die Hauptstadt der Region zu gelangen. Für die Sehenswürdigkeiten Strasbourgs blieb uns keine Zeit, denn einige Dörfer weiter wartete ein ganz besonderer Besuch auf uns.
Armin aus Rheinstetten hatte angekündigt, mit uns durch den Norden des Elsass zu radeln - und zwar auf einem originalen Alcyon-Rennrad aus den 1920er Jahren. Nicht unmöglich, dass das Rad die Strecke vor 100 Jahren schon einmal zurückgelegt hatte. Mit seinem Trikot, den Lederschuhen, der Mütze und der Brille wirkte Armin auf seinem Renner tatsächlich wie aus der Zeit gefallen. An jedem noch so kleinen Hügel wurde uns bewusst, auf welchen Luxusrädern wir selbst unterwegs sind. Denn Armin hatte keine Schaltung und musste seine Übersetzung von 46x20 Zähnen mit Schwung jede Steigung hinaufwuchten - und hatte es bergab gleichfalls schwer, da die Übersetzung dann wiederum zu klein war.
Kurz darauf kam uns Dominik entgegen, ehemaliger Rennfahrer und Teamkollege aus Miltenberg, der uns mit seiner unnachahmlichen Art bis in die nördlichen Vogesen hinein begleiten sollte und uns damit das Leben ein wenig erleichterte.
Ein großer Empfang wurde uns in Wissembourg bereitet, als Christophs Eltern und sein Bruder mit Familie aus dem nahen Rülzheim angereist waren und mit gepunkteten Trikots, Tour-de-France-Hüten und -Fahnen und Malkreide den Kreisverkehr am Rande der Altstadt kurzer Hand zur Fanzone umwandelten. Ein Picknick im Park versüßte uns zusätzlich den Überraschungsbesuch von zu Hause.
Emotional und physisch so gestärkt hofften wir, dass die restlichen 170 Kilometer bis Metz doch nur noch Formsache sein dürften. Doch die Tour de France hat ihre eigenen Gesetze. Die Mittagshitze wurde immer drückender, die Anstiege in den Ausläufern der Vogesen sind zudem nicht zu unterschätzen. Licht am Ende des Tunnels erwartete uns aber in der Nähe des Saarlands. Martin Wolsdorfer, federführend beim Bike Aid e.V. und der von uns unterstützten Spendenaktion, ließ es sich nicht nehmen, uns mit dem Auto zu begleiten und mit Wasser, Cola und Gummibärchen zu versorgen. Martin Ruf von Bike Aid heftete sich zudem mit seinem Gravelbike an unser Hinterrad und lotste uns durch sein Trainingsgebiet rund um Sarreguemines.
Nur kurze Zeit später gesellte sich Alexander Groß vom Saarländischen Rundfunk hinzu. Den Hinweis, dass die Strecke entlang der Blies viel schöner sei als entlang der Nationalstraße, nahmen wir dankend an. So verließen wir für einen kurzen Abschnitt die Originalroute und sammelten noch einige Extrakilometer. Dafür gab es auf den ruhigeren Straßen Gelegenheit für tolle Videoaufnahmen.
Schließlich bogen wir nach 354 Kilometern auf den Boulevard Poincaré in Metz ein. Den Zielsprint konnte diesmal Christoph für sich entscheiden, im Tagesklassement reichte dies aber lediglich für den 85. Platz mit anderthalb Stunden Rückstand auf Aimé Dossche. Wie haben die das damals nur gemacht?
Nicht wie die Touriste-routiers von 1926 kamen wir am Ziel sogar in den Genuss, dass wir von Corinne und ihren Eltern, die aus dem nahen Luxemburg angereist waren, mit frischer Pizza erwartet wurden. Somit konnten wir gleich am Zielstrich mit der Regenaration für die lchängste Etappe der Tour de France 1926 beginnen, die am Mittwoch ansteht: 433 Kilometer von Metz durch die Ardennen und die „Hölle des Nordens“ bis nach Dunkerque.
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