24. Juni 1926: Metz - Dunkerque (433 Kilometer, 2720 Höhenmeter)
Etappenbericht
Hello, bonjour und guten Tag zur 3. Etappe von Metz nach Dunkerque!
Der Start zur längsten Tour-Etappe – satte 433 km standen auf dem Programm – erfolgte um Mitternacht! Kurze Zeit später standen mehr als zehn schmale dunkle Silhouetten in der Nacht: Sie hatten alle gleichzeitig Defekt, offenbar waren Reißnägel auf die Straße gestreut worden. Zur Frühstückszeit um 6 Uhr erreichte das Peloton Sedan, etwa 1000 Zuschauer hatten sich an der Verpflegungskontrolle versammelt. Eine Stunde später in Charleville-Mézières dasselbe Bild – und ähnliche Probleme wie heutzutage am Streckenrand. Ein Juryauto hielt eilig an, die Beschwerde von einigen Zuschauerinnen folgte sofort: Sie stünden hier jetzt schon seit zwei Stunden und freuten sich auf die Rennfahrer. Ob das Auto nicht woanders abgestellt werden könnte!?
Der Norden Frankreichs erweckte einige Melancholie bei den Journalisten, so kurz nach den Kriegsjahren. Die Natur eroberte sich die Krater und Schützengräben zurück. Berichtet wurde von den Männern, die sich entweder in Fabrikgebäuden oder unter Tage aufhielten. Passierte die Tour de France allerdings die Dörfer des Nordens, so war Feiertag. Volksfest allerorten, der Radsport als „Meister und König des Nordens“.
Klicken zum Vergrößern
Die furchtbar lange Etappe ließ außerdem Zeit für anderweitige Beobachtungen am Rande des Rennens: Der Tour-Sekretär wurde bei einem kleinen Nickerchen fotografiert, Joseph Van Dam bandelte mit einer Bäuerin auf einem Fahrrad an, ein anderer Fahrer machte an einer Verpflegungskontrolle mit einer Zigarre im Mund seine Scherze.
Ernst wurde das Rennen aber, als man sich Valenciennes näherte und das Kopfsteinpflaster immer ruppiger wurde. Über 150 km mussten an diesem Tag auf den berüchtigten Pavés absolviert werden. In Lille waren extrem viele Zuschauer an der Straße, vier Fahrer hatten sich kurz vor der Stadt absetzen können. Die Verpflegungskontrolle ließen sie quasi links liegen, das Peloton jagte ihnen hinterher und tat es ihnen gleich, die meisten Verpflegungsbeutel blieben liegen. Äußert gewagt bei noch 80 zu fahrenden Kilometern!
Klicken zum Vergrößern
Schließlich blieben nur Gustave Van Slembroeck, Zweiter bei Paris-Roubaix im Frühjahr, und sein belgischer Landsmann Albert Dejonghe an der Spitze. Am Mont Cassel hatten die beiden fünf Minuten Vorsprung auf die nächste Gruppe, die vom Luxemburger Nicolas Frantz angeführt wurde. Am Ziel in Dunkerque waren es über zehn Minuten.
Van Slembroeck hatte sich für den Sprint mehr Kräfte gespart und gewann souverän. In der Zeitung wurde er als bester Fahrer der bisherigen Saison bezeichnet und galt nun auch als heißer Favorit für den Gesamtsieg. Denn schließlich übernahm er mit dem Etappensieg auch das Maillot Jaune von Jules Buysse, der keinen guten Tag erwischt hatte und auf den dritten Rang in der Gesamtwertung zurückfiel.
Bei den Touriste-Routiers lag Giovanni Rossignoli nun schon fast mit einer ganzen Stunde Vorsprung an der Spitze – und das im legendären Alter von 44 Jahren! Insgesamt waren nur noch 93 von ursprünglich 126 Fahrern im Rennen. Die ersten drei Etappen hatten das Fahrerfeld also schon bereits stark ausgedünnt. Welche Überraschungen sollten die Normandie und die Bretagne bereit halten?
Klicken zum Vergrößern
Erstelle deine eigene Website mit Webador