Etappe 5: Le Havre - Cherbourg

28. Juni 1926: Le Havre - Cherbourg (357 Kilometer, 2163 Höhenmeter)

Etappenort: Le Havre

Le Havre hatte im Jahr 1926 mit ca. 160.000 Einwohnern schon so viele Einwohner wie heute. Die größte Stadt der Normandie hat nach Marseille den zweitgrößten Hafen Frankreich und galt vor 100 Jahren als Tor nach New York, da hier die großen Fähren ihre Fahrt über den Atlantik starteten. 1944 größtenteils im Krieg zerstört, wurde das Zentrum von Le Havre unter Leitung des Architekten Auguste Perret auf 150 Hektar wieder neu aufgebaut. Seit 2005 gehört das Zentrum zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Zwischen 1911 und 1927 war Le Havre jedes Mal Teil des Etappenplans der Tour de France. Im Jahr 1955 durfte die Stadt den Grand Départ ausrichten. 1979 fand hier ein Mannschaftszeitfahren über 90 km statt, das TI-Raleigh mit Gerrie Knetemann hauchdünn vor Renaut-Gitane mit Bernard Hinault im Maillot Jaune gewann. Legendär bis heute die 5. Etappe der Tour de France 1991: Thierry Marie, der bereits den Prolog gewonnen hatte, legte die bis heute längste erfolgreiche Solo-Flucht im modernen Radsport hin. Er gewann die Etappe nach 234 km Alleinfahrt und übernahm damit auch das Gelbe Trikot. Weitere Etappensieger in Le Havre waren 1995 der „König der Löwen“ Mario Cipollini und 2015 der tschechische Champion Zdenek Stybar.

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Strecke: Le Havre - Cherbourg

Die 5. Etappe startete in Le Havre und führte dort zunächst über 80 km die Seine aufwärts bis nach Rouen.

Man muss wissen, dass es zu dieser Zeit noch keine Brücke gab zwischen Rouen und der Mündung der Seine. Der gigantische Pont de Normandie existiert erst seit 1995.

Nach der Überquerung der Seine in der Schicksalsstadt von Jeanne d’Arc führte die Strecke wieder die Seine abwärts, vorbei an den Glocken vor Corneville bis nach Honfleur.

Für den Streckenabschnitt an der Küste entlang bis nach Caen gaben die Organisatoren wiederum eine Warnung heraus vor engen Straßen und unübersichtlichen Kurven. Für Caen, die Hauptstadt der Normandie, und den Teppich von Bayeux hatten die Fahrer im Rennen keine Zeit.

Die letzten Kilometer führten durch das Département, wo das Terrain ein wenig den Charakter einer Achterbahn bekommen sollte. Dennoch war die Etappe nach Cherbourg in den Jahren zuvor immer im Sprint entschieden worden – und 1926?

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Hier findet Ihr die Strecke bei Komoot und Google Maps zum Nachfahren oder näher anschauen:

Etappenbericht

Hello, bonjour und guten Tag zur 5. Etappe!

Der Startschuss wurde nachts um 2 Uhr in Le Havre gegeben. Der Nebel der Seine lag über der Stadt, als sich die verbliebenen 88 Fahrer auf den Weg machten. Wieder säumten viele Zuschauer die Strecke und hießen die Tour de France willkommen. Bis Rouen hatte sich im Rennen noch nicht viel getan. Am Anstieg von Moulineaux hatten die Zuschauer über 1000 Autos am Straßenrand geparkt. 

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In Honfleur waren die Straßen mit Fischernetzen dekoriert. In der Region gab es viele italienische Fischer, die natürlich vor allem die Namen von Bottecchia, Aimo und Rossignoli riefen. Guy Bariffi war der nächste Fahrer, der mit einem Pferd kollidierte, wodurch sein Vorderrad kaputtging. Hinter Caen hatte der Mann im Gelben Trikot, Gustave Van Slembroeck, einen Defekt. Schnell bekam er Hilfe von seinen Teamkollegen. 

Zu dritt setzten sie zu einer wilden, 25 km langen Aufholjagd an, der Tachometer im Auto zeigte in Bayeux satte 48 km/h an. In der Achterbahn des Département Manche verkleinerte sich das noch 60 Fahrer starke Feld zunehmend. Kurz vor Cherbourg verschärften Ottavio Bottecchia und Lucien Buysse das Tempo, sodass am Ende noch 19 Fahrer an der Spitze übrig waren, die Cherbourg durchquerten und das Velodrom von Equeurdreville im Westen der Stadt ansteuerten. 

Im Velodrom wurde das Rennen neutralisiert, der Etappensieg wurde schließlich in einem kurzen Sprintturnier unter den Fahrern aus der Spitzengruppe ausgefahren. Aus heutiger Sicht sicher eher ungewöhnlich! Adelin Benoît hieß nach 357 km der Etappensieger, in der Gesamtwertung gab es erneut keinerlei Veränderungen.

Etappenergebnis

1. Adelin Benoît (BEL, Aloyon-Dunlop) 14h14‘9“

2. Romain Bellenger (FRA, J.-B. Louvet-Wolber) +0“

3. Joseph Van Dam (BEL, Automoto-Hutchinson)  +0“

4. Camille Van de Casteele (BEL, J.-B. Louvet-Wolber) +0“

5. Marcel Bidot (FRA, Thomann-Dunlop) +0“

6. Gustave Van Slembroeck (BEL, J.-B. Louvet-Wolber) +0“

7. Joseph Pé (BEL, Jean Louvet-Hutchinson) +0“

8. Albert Dejonghe (BEL, J.-B. Louvet-Wolber) +0“

9. Ottavio Bottecchia (ITA, Automoto-Hutchinson) +0“

10. Nicolas Frantz (LUX, Alcyon-Dunlop) +0“

Gesamtklassement

1. Gustave Van Slembroeck (BEL, J.-B. Louvet-Wolber) 74h16‘50“

2. Albert Dejonghe (BEL, J.-B. Louvet-Wolber) +1‘9“

3. Jules Buysse (BEL, Automoto-Hutchinson) +6‘17“

4. Adelin Benoît (BEL, Aloyon-Dunlop) +10‘45“

5. Georges Cuvelier (FRA, Météore-Wolber) +10‘45“

6. Odiel Taillieu (BEL, J.-B. Louvet-Wolber) +10‘45“

7. Camille Van de Casteele (BEL, J.-B. Louvet-Wolber) +12‘22“

8. Lucien Buysse (BEL, Automoto-Hutchinson) +22‘51“

9. Léon Parmentier (BEL, Jean Louvet-Hutchinson) +28‘24“

10. Secondo Martinetto (ITA, Météore-Wolber) +37‘12“

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