Etappe 15: Briançon - Évian-les-Bains
06.08.2027 | 303 Kilometer | 4280 Höhenmeter
Eine Runde um ganz Frankreich herum - wer hätte vor vier Wochen gedacht, dass wir das schaffen? Oder wer hätte daran gezweifelt? Wir wussten es selbst nicht so genau einzuschätzen. Zu viel kann unterwegs passieren: Stürze, Defekte, Krankheiten, Unwetter, plötzlich auftauchende Schmerzen… Der 5082 Kilometer lange weg von Evian nach Evian ist uns gelungen. Nun gilt es noch, die letzten beiden Etappen nach Paris zu bewältigen.
Im Morgengrauen starteten wir in Briançon. Von Anfangan führte uns der Weg bergauf. Sehr früh kann man schon den Col du Galibier aus der Ferne erkennen. Auf einer breiten, am Morgen wenig befahrenen Straße ist es ein Leichtes, zum 2058 Meter hohen Col du Lautaret zu gelangen. Bereits hier kann man ein unglaubliches Panorama auf die Bergwelt und die Restgletscher genießen. Von dort sind es noch neun Kilometer bis zur Passhöhe des Galibier. Um 7 Uhr ist man hier beinahe noch alleine mit den Murmeltieren, den Schafsherden und ihren bellenden Aufpassern, dem Sonnenaufgang und einem kühlen Lüftchen um die Nase. Einen Kilometer unterhalb des Passes erreicht man den alten, einspurigen Galibier-Tunnel. Davor thront das Denkmal für Henri Desgrange, das an Lobeshymnen für den Begründer der Tour de France nicht spart. Und schließlich waren wir da: auf dem 2645 Meter hohen Dach der Tour de France 1926. Einmal oben angelangt, will man eigentlich gar nicht mehr runter.
Aber es half nichts: Es lagen ja noch 270 Kilometer vor uns. Insgesamt fast 2000 Höhenmeter sausten wir hinab ins Maurienne-Tal. Von dort aus rollten wir eine Weile mehr oder weniger flach talbawärts Richtung Chambéry und dann talaufwärts in die Olympia-Stadt Albertville. Nach einer kleinen Verpflegungspause ging es wieder bergauf durch die Arly-Schlucht und auf den malerisch schönen Col des Aravis. Spätestens ab dort war es vorbei mit der Ruhe in den Bergen. Eine Skistation nach der anderen lag auf unserem Weg über die Route des Grandes Alpes. Nach dem Col de Châtillon überquerten wir bei Taninges nicht das kleine Flüsschen Giffre, sondern fuhren eine halbe Stunde talaufwärts, überquerten den Giffre dort, und fuhren auf der anderen Talseite wieder eine halbe Stunde zurück. Die Recherche, weshalb die Streckenführung an dieser Stelle 1926 so aussah, sind wir noch schuldig. War die Brücke von einem Hochwasser weggespült worden? Wollte Desgrange, dass die Etappe über 300 Kilometer lang ist?
In jedem Fall folgte kurz darauf mit dem Col des Gets der letzte Alpenpass der Tour de France 1926. Auf 12 Kilometern zog sich die nicht enden wollende Steigung bei drückender Hitze dahin. Immerhin konnten wir es im Anschluss genießen, bis zum Genfer See bergab zu rollen und schließlich wieder dort anzukommen, wo wir vor knapp vier Wochen gestartet waren. Wir können nicht sagen, dass die Zeit wie im Flug verging - dafür waren die 15 Etappen zu anstrengend. Aber als wir uns bei derselben Pizzeria wie am 10. Juli unser Abendessen holten und uns auf dasselbe Bänkchen am Ufer setzten, fühlte es sich schon ein wenig so an, als wären wir erst vorgestern hier gewesen.
Und jetzt: auf nach Paris!
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