Etappe 17: Dijon - Paris
08.08.2027 | 341 Kilometer | 1412 Höhenmeter
Viele Fragen stellten sich vor der Schlussetappe nach Paris: Würden wir noch einmal Glück mit Wind und Wetter haben? Überstehen wir auch die 17. Etappe ohne Defekt oder Sturz? Kann Christoph noch drei Minuten und 51 Sekunden auf Timm herausholen - vielleicht durch eine späte Attacke im Pariser Feierabendverkehr? Wird Giovanni Rossignoli seine auf 43 Minuten zusammengeschmolzene Führung im Klassement der Touriste-Routiers gegenüber dem ReRide1926-Duo verteidigen können? Und wird es in Paris einen Pizza-Automaten für uns geben?
Nach der dritten Nacht in Folge mit lediglich vier Stunden Schlaf starteten wir in Dijon zu den letzten knapp 350 Kilometern Richtung Paris. Nach einer Stunde erreichten wir die letzte Bergwertung des ReRide1926, die Côte de Sombernon. Anschließend fanden wir uns in der Gefriertruhe wieder. Auf dem Weg durch das Tal der Brenne war es auf 60 Kilometern derartig überraschend kalt - das Thermometer zeigte nur noch vier Grad an -, dass Timm kurz damit drohte, er würde keinen Meter mehr weiterfahren. Bis Montbard waren wir komplett eingefroren, sodass es im Café kaum noch möglich war, das Geld aus den Trikottaschen hervorzukramen. Schließlich aber kam langsam die Sonne zum Vorschein, die mit den Stunden wieder dafür sorgen sollte, dass wir in der Hitze fast zerflossen. Bei Teutates - mit all diesem anstrengenden Wetter schafften wir es nicht einmal, in Alesia den guten Vercingetorix vernünftig zu grüßen.
Immerhin war die Strecke wieder etwas abwechslungsreicher als am Vortag, sodass wir gut vorankamen und das Radeln einigen Spaß machte. Auch der Wind schob uns vor sich her. So erreichten wir 70 Kilometer vor dem Ziel mit Melun ein Städtchen, das gewissermaßen von Süden kommend der erste Vorort von Paris ist. Ab dort bewegten wir uns nur noch innerhalb von Siedlungsgebiet, was angesichts des Großstadtverkehrs, der rumpeligen Straßen und der hunderten von Ampeln zum Abschluss der 5745 Kilometer noch einmal eine ganz besondere Herausforderung darstellte.
Unfallfrei meisterten wir auch diese letzte Hürde. Dankend nahmen wir es an, dass Henri Desgrange die Strecke direkt durch Versailles gelegt hatte, sodass wir uns vor dem Schloss noch eine kleine Pause zu touristischen Zwecken gönnten. Nun waren nur noch zwei kleine Hügel zu bewältigen und dann war der Blick frei: auf den Eiffelturm, auf den Hügel von Montmartre, auf das Défense-Viertel. Nach der Seine-Brücke bogen wir ein in die Rue de Paris, die Boulogne-Billancourt durchquert und direkt zum Velodrom des Prinzenparks führt. Kurz vor Zieleinlauf erinnerten wir uns daran, dass im Jahr 2026 eine andere Sportart die Überhand gewonnen hat und vom Velodrom nichts mehr zu sehen ist. Auf der Avenue du Parc des Princes bekamen wir dennoch einen tollen Empfang von Corinne, zwei einzigartigen Löwen im ReRide1926-Trikot und drei kleinen Flaschen Sekt.
Gratulation an Lucien Buysse, der in dieser Tour de France wahrlich unschlagbar war. Ebenfalls Gückwünsche an den 44-jährigen Giovanni Rossignoli, der sich mit 73 Sekunden Vorsprung vor Timm behauptete und den Gesamtsieg im Klassement der Touriste-Routiers feiern konnte. Mit den Grüßen auch an die anderen 39 Radsportler, die 1926 das Ziel in Paris erreicht hatten, verabschiedeten wir uns in die Nacht: Wahnsinn, was ihr geleistet habt! Unter euren Bedingungen hätten wir vermutlich noch nicht einmal die 1. Etappe geschafft. Ihr wart wahre Giganten der Landstraße!
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